Klassische Weihnachtslieder

Weihnachtslieder müssen nicht unbedingt singbar sein. Das lernte ich in der Schule schon. Obwohl ich mich immer wunderte warum ein paar Reime berühmter früher Dichter die Bezeichnung Weihnachtslied trugen. Lieder sind doch sonst immer mit Melodien verbunden? Sind ein paar Verse, die nicht gesungen wohl eher Gedichte? Müßten all die schönen Weihnachtslieder von Goethe oder Fallersleben dann nicht eher Weihnachtsgedichte heißen? Und irgendwann einigte ich mich mit mir selbst (weil es mir niemand erklären konnte) darauf, dass diese Weihnachtslieder wohl früher gesungen worden sind und dass im Laufe der Jahre die Melodie vergessen wurde. Genial, oder?

Ok – ich gebe zu, dass diese Erklärung auf schwachen Füßen steht. Ich bin musikalisch weder in Weihnachtsliedern noch in anderen eher klassischen Ausprägungen der Musik bewandert. Und vielleicht gibt es ja sogar Weihnachtsmelodien zu den folgenden zwei Weihnachtsliedern, die ich als besonders schön empfinde. Gefunden in einem sehr alten Buch …

Weihnachtslied von Theodor Storm (1817-1888)

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s ein Wunder ist geschehn


Weihnachtslied von Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben,
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn’ und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegesheer
Möcht’ ich gerne haben.

Bring’ uns lieber Weihnachtsmann,
Bring’ auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Roß und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!

Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennst ja uns’re Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.


Weihnachtsgedicht Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Mein süßes Liebchen! Hier in Schachtelwänden
Gar mannigfalt geformte Süßigkeiten.
Die Früchte sind es heil’ger Weihnachtszeiten,
Gebackne nur, den Kindern auszuspenden!

Dir möcht ich dann mit süßem Redewenden
Poetisch Zuckerbrot zum Fest bereiten;
Allein was soll’s mit solchen Eitelkeiten?
Weg den Versuch, mit Schmeichelei zu blenden!

Doch gibt es noch ein Süßes, das vom Innern
Zum Innern spricht, genießbar in der Ferne,
Das kann nur bis zu dir hinüberwehen.

Und fühlst du dann ein freundliches Erinnern
Als blinkten froh dir wohlbekannte Sterne,
Wirst du die kleinste Gabe nicht verschmähen.

OK – letzteres ist ein Weihnachtsgedicht von Goethe, aber kann es nicht auch ein Weihnachtslied sein? 🙂

Hier finden Sie Weihnachtslieder und Weihnachtsgedichte.

2 Gedanken zu “Klassische Weihnachtslieder

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